7. Oktober 2020 - Redaktion Providentia

Autonomes Fahren: Neue Impulse für die Stadt

Inwieweit automatisiertes und autonomes Fahren den Verkehr in der Stadt beeinflusst und verändert: Das ist ein Schwerpunkt der Studie „Autonomes Fahren im Kontext der Stadt von Morgen“ vom Fraunhofer IAO. Hier eine Übersicht über einige denkbare Chancen für den urbanen Verkehr.

  1. Mobilitätsservices ersetzen das eigene Auto

Eigene Fahrzeuge werden fast ausschließlich für Freizeitaktivitäten an Wochenenden genutzt, während im Stadtverkehr autonome Shuttles und Carsharing-Angebote die Fortbewegung unterstützen. Wer aus dem Umland in die Stadt kommt, setzt zudem vermehrt auf Fahrgemeinschaften, neudeutsch Ride-Sharing. Es wird ein intermodales System entstehen, in dem sich der Nutzer unterstützt durch digitale Assistenzsysteme seine Umstiege von Verkehrsmittel zu Verkehrsmittel selbst organisieren kann. Ein Mobilitätsabo schließt letztlich nicht nur den öffentlichen Nahverkehr, sondern auch Carsharing, e-Scooter und autonome Shuttles mit ein.

  1. Fahrzeuge werden hoch ausgelastet

Durch den Einsatz von autonomen Fahrzeugen zum öffentlichen Nahverkehr wird sich die Anzahl von Fahrzeugen in der Stadt verringern, der Verkehrsfluss aber gleichzeitig effizienter. Es kommt zu weniger Unfällen, die Belastung durch Schadstoffe in der Luft sinkt und Parkplätze werden immer weniger nötig sein. Während Fahrzeuge heute fast den ganzen Tag (90 Prozent) unbewegt am Straßenrand oder auf dem Parkplatz stehen, werden autonome Shuttles fast andauernd unterwegs sein. „Stark vom Automobil abhängige Städte, deren Infrastrukturen zu einem größeren Anteil aus Straßen- und Parkierungsflächen bestehen, besitzen höhere Einsparpotenziale als Städte, die schon heute auf gut ausgebauten öffentlichen Verkehr zugreifen“, sagt der Experte für autonomes Fahren Armin Gräter von BMW.

  1. Straßenfläche wird neu genutzt

Gerade vor dem Hintergrund, dass Städte weiterwachsen werden, muss die Infrastruktur leistungsfähiger werden. Das heißt, dass viel befahrene Straßen wie Stadtautobahnen und Ringstraßen etwa durch geringere Abstände zwischen den Fahrzeugen (Platooning) einen besseren Durchfluss ermöglichen. Durch eine intelligente Steuerung von Kreuzungen und der Einsatz teilautomatisierten Fahrzeugen ist es sogar möglich, den Durchsatz der Fahrzeuge auf das Doppelte zu erhöhen. Auf der anderen Seite nehmen alternative Mobilitätsangebote zu. Der motorisierte Individualverkehr (MIV) wird abnehmen, dafür werden die Straßenflächen zunehmend von Rädern, E-Scootern und Fußgängern beansprucht werden. Es wird also beispielsweise verkehrsberuhigte urbane Bereiche neben hoch frequentierten Zufahrtsstraßen geben.

  1. Mobilitätshubs ermöglichen Umstieg auf Individualverkehr

Um den Umstieg von einem Fortbewegungsmittel zu einem anderen ermöglichen, gibt es Mobilitätshubs. Wer beispielsweise aus der U-Bahn steigt, findet am Ausgang Mieträder, Carsharing-Angebote oder Ridesharing-Shuttles. Der öffentliche Nahverkehr und Individualmobilität werden so synchronisiert. Eine Möglichkeit besteht – wie in Leipzig – darin, „zentral die Fahrzeugvielfalt anzubieten, mit Bus und Transporter, alles, was ich selten brauche, und zusätzlich Mobilitätshubs für kurze Strecken“, sagt Torben Heinemann von der Stadt Leipzig. Zentrale wie dezentrale Mobilitätshubs werden über digitale Schnittstellen miteinander verknüpft.

  1. Sharing und Automatisierung von Fahrzeugen verbessert Luftqualität in Städten

Mehr elektronische Fahrzeuge und ein besserer Verkehrsfluss zusammen werden dazu beitragen, den Ausstoß von Kohlenstoffdioxid und Stickoxiden sowie Feinstäuben durch Reifenabrieb stark zu senken. Eine Optimierung des Verkehrsflusses bedeutet auch, unterstützt durch Automatisierungsfunktionen in den Fahrzeugen angepasst zu fahren. Und das heißt: weniger starke Beschleunigungen und Bremsvorgänge und eine konstantere Geschwindigkeit. Letztlich wird so also die Umwelt geschont – und so zusammen mit anderen „naturbasierten Lösungen“ mit dazu beigetragen, dass Städte resilienter gegen den Klimawandel werden.

Wer Interesse an der gesamten Studie hat: Hier gibt es die Studie „Autonomes Fahren im Kontext der Stadt von Morgen“ (2019) kostenfrei zum Download.

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